Versorgungssicherheit garantiert

Hochspannungsleitung Friensdorf / Freistadt – Umspannwerk Rainbach

Neue Wirtschaftsräume werden erschlossen, Firmen siedeln sich an und Arbeitsplätze werden geschaffen. Unverzichtbar dafür: Die sichere und rasche Verfügbarkeit von Energie. So auch in der oberösterreichischen Stadtgemeinde Freistadt. Um eine optimale Stromversorgung zu gewährleisten hat Netzbetreiber Linz AG mit seiner Tochterfirma Linz Netz GmbH dort in die Zukunft investiert und ein neues Umspannwerk samt Hochspannungsleitung installiert – mit den Freileitungsmasten von Europoles.

Attraktiver Wirtschaftsstandort mit Zukunft

Ende des Jahres 2015: Die Mühlviertler Schnellstraße S10 wird für den Verkehr freigegeben. Seitdem ist die oberösterreichische Stadtgemeinde Freistadt im nördlichen Mühlviertel mit ihren knapp 8.000 Einwohnern nicht nur näher an die Bezirkshauptstadt Linz herangerückt. Freistadt und seine Umgebung haben sich zum attraktiven Wirtschaftsstandort mit vielen neuen Arbeitsplätzen in der Region entwickelt. Um auch das zukünftige Wachstum der Region zu sichern, ist eine gute Stromversorgung extrem wichtig. Denn: „Die sichere und rasche Verfügbarkeit von Energie ist heute mehr denn je ein unverzichtbarer Faktor für die Attraktivität bzw. Zukunft von Lebens- und Wirtschaftsräumen“, sagt Linz AG-Generaldirektor DI Erich Haider.

Masterplan für die Stromnetz-Infrastruktur

Deshalb investiert die Linz AG, die mehr als 440.000 Menschen in 83 oberösterreichischen Gemeinden mit Strom versorgt, in die Zukunft der Region. Für den Ausbau der Stromnetz-Infrastruktur hat das Unternehmen zusammen mit den anderen Netzbetreibern Oberösterreichs den Stromnetz-Masterplan 2026 verabschiedet. Ein Teil davon: Das Projekt Umspannwerk Rainbach samt zugehöriger 110 kV-Leitung. Für die aufstrebende Region ein Meilenstein, denn mit Umspannwerk und 110 kV-Leitung sichert die Linz Netz GmbH die Qualität der Stromversorgung für ihre Kunden im Raum Freistadt und dem nördlichen Mühlviertel nachhaltig. Großen Anteil an der Realisierung der Leitung hatte der Mastenhersteller Europoles aus dem bayerischen Neumarkt.

Strom von beiden Seiten

“Durch die Hochspannungsleitung wird das neue Umspannwerk ans Netz angeschlossen“, erklärt Maximilian Müller, zuständiger Projektleiter bei Europoles. „Von dort aus erfolgt die Verteilung des Stroms auf Mittelspannungsebene und geht dann weiter in Haushalte, Firmen und überall dorthin, wo er sonst noch gebraucht wird.“ Mit dem Umspannwerk und der 8,3 Kilometer langen Leitung steigt die Versorgungssicherheit um ein Vielfaches. „Vor dem Projekt war die Stromversorgung abhängig von einer einzigen Leitung.

Mit der neuen Leitung und deren bereits beschlossenem Weiterbau nach Bad Leonfelden kann der Ring geschlossen werden. Im Prinzip kann man sagen, dass die Kunden durch das Umspannwerk nicht mehr nur Strom von der linken Seite, sondern von links und rechts bekommen“, sagt Müller. Die Gefahr von Stromausfällen gehört damit nahezu der Vergangenheit an, denn: Fällt eine Leitung aus, kann von der anderen Seite aufgefangen werden.

quotation-mark

Europoles hat als kompetenter und verlässlicher Partner alle Anforderungen – von statischer Berechnung bis Erstellung perfekter Stahlbauzeichnungen - erfüllt und hat wesentlichen Anteil an der termingerechten Realisierung der Hochspannungsfreileitung mit Stahlvollwandmasten.


Franz Hartl

Asset Management Strom

Linz Netz GmbH

Komplexe technische Vorgaben

Um ein einheitliches Bild zu schaffen, setz die Linz Netz GmbH bei den Masten für die neue Leitung auf eine Mastform, die schon beim bereits bestehenden Teil der Leitung verbaut wurde: Stahlvollwandmasten mit Steckverbindung und Kastentraverse in klassischer Donau-Bauweise. Die Bezeichnung geht auf eine 1927 in Betrieb genommene Hochspannungsleitung mit dieser Mastform im Donautal zwischen Regensburg und dem Kraftwerk Kachlet oberhalb von Passau zurück.

„Der Kunde hatte also bereits sehr konkrete Vorstellungen und Erwartungen, wie die Masten aussehen sollen“, erinnert sich Projektleiter Müller. „Die Aufgabe für uns bestand darin, diese Erwartungen zu übernehmen und so umzusetzen, dass die technische Machbarkeit gewährleistet ist und der Kunde am Ende den optimalen Nutzen hat.“ Die Herausforderung dabei: Das im Hinblick auf die Belastung der Masten relativ geringe Bodenaustrittsmaß – das heißt im Klartext: tragfähige und gleichzeitig schlanke Masten waren gefordert.

Höchste Sicherheit auf engstem Raum

Die Masten mussten also platzsparend konzipiert werden. Genau die richtige Aufgabe für das Team von Europoles. Dank hauseigener Engineering-Kompetenz konnten den Verantwortlichen der Linz Netz GmbH sowohl das Abspannportal in klassischer Stahlgitterbauweise als auch die geforderten Masten in Stahlvollwandbauweise ganz nach ihren Vorstellungen präsentiert werden. Ein besonderer Clou: Das von Europoles verbaute Steigsystem des Schweizer Unternehmens HighStep Systems – bei dem ein innovatives Schienensystem in Kombination mit Steigschuhen oder einen automatischen Lift die herkömmlichen Steigleitern ersetzt und damit für zusätzliche Sicherheit der Monteure bei der Mastbesteigung sorgt.

Genauso viel Wert auf eine platzsparende Bauweise und höchste Sicherheit wie bei den Masten legte die Linz Netz GmbH beim Umspannwerk: Sämtliche Technik befindet sich in hermetisch geschlossenen Gebäuden. Die Hochspannungsschaltanlage ist mit Isoliergas gefüllt. Das Ergebnis: Notwendige Schutzabstände werden auf ein Minimum reduziert. Auch Umwelteinflüsse können den Schaltanlagen nichts mehr anhaben. So sind Anlagen wie Personen bestens geschützt.

Ökologische Verbesserungen

Bei der Querung von Wäldern wird ökologisches Trassenmanagement angewendet. Unter anderem wird dadurch die natürliche Ausbreitung von Pflanzen ermöglicht. Das Anlegen von Teichen und die Wiederansiedelung einer ausgestorbenen Pflanzenart wird unter Anleitung von Fachleuten umgesetzt.

Integration ins Landschaftsbild

Sicherheit und Platzersparnis waren aber nur zwei Aspekte, die die Linz Netz GmbH im Fokus hatte. Darüber hinaus mussten die Wünsche und Anliegen von Behörden, Interessenvertretern und vor allem von ca. einhundert Grundeigentümern berücksichtigt werden – und das selbstverständlich bereits ab dem ersten Planungsschritt: Es galt, die entsprechenden Abstände von bebautem Gebiet einzuhalten, bestehende Grund- und Kulturgrenzen optimal zu nutzen und eine bestmögliche Integration der Anlage samt Leitung ins Landschaftsbild zu erreichen.

Lieferung just in time

„Mit unseren Stahlvollwandmasten haben wir unseren Teil dazu beitragen, diese Wünsche und Anliegen zu erreichen“, zieht Maximilian Müller Bilanz. Um die Anwohner vor Ort zu entlasten und darüber hinaus dem Kunden die wirtschaftlichste Variante zu bieten, war außerdem viel Abstimmung mit den Projektverantwortlichen vor Ort notwendig. „Um einen optimalen Bauablauf sicherzustellen und die Lagerkosten vor Ort möglichst gering zu halten, wurden die Mastsegmente in Abstimmung mit dem Kunden just-in-time geliefert. Das heißt, wir haben die Masten direkt zum benötigten Zeitpunkt an die Baustelle geliefert.“

Logistische Meisterleistung

Dazu waren mehr als 70 LKW Lieferungen notwendig. „Die Koordination der einzelnen LKW sowie die Verladung von über 300 Bauteilen war anspruchsvoll, aber unsere Logistik hat tolle Arbeit geleistet“, erinnert sich Projektleiter Müller an die logistische Leistung. Keiner der 37 eingesetzten Masten sah dabei aus wie der andere. „Die Leitung steht natürlich nicht in einer Flucht. Die Richtungsänderungen erfordern den Einsatz von Trag- und Abspannmasten in unterschiedlichen Höhen und mit unterschiedlichen Belastungen. Zudem werden auf den Masten Lichtwellenleiter, besser bekannt als Glasfaserkabel, mitgeführt. Das macht jeden Mast ein kleines Stück weit einzigartig.“

Auch der Aufbau der Masten verlief reibungslos: Das Fundament wurde ausgehoben, der untere von mehreren Mastteilen gestellt und einbetoniert. Anschließend wurden die bereits am Boden vormontierten oberen Mastteile per Kran aufgesetzt und zusammengezogen. Nun mussten nur noch die Armaturen montiert, die Leiterseile gezogen und die Erdungsanlagen fertig gestellt werden. Dann konnte die Leitung schon ans Netz gehen.

Feierliche Eröffnung

Mitte April 2018 wurde das neue Umspannwerk samt Hochspannungsleitung, das bereits vorher in Betrieb ging, dann feierlich eröffnet. Vertreter aus Politik und Wirtschaft der Region konnten die moderne Anlage vor Ort in Augenschein nehmen. Auch das Team von Europoles war mit dabei. Zeit für Projektleiter Maximilian Müller ein Fazit zu ziehen: „Das ganze Projekt hat hervorragend geklappt. Und wir freuen uns sehr, heute hier zu sein. Es ist auch nicht ganz alltäglich, dass man als Realisierungspartner zur Eröffnung ‚seines‘ Projekts eingeladen wird und dieses Ereignis mit den zufriedenen Kunden gemeinsam feiern darf.“

Technische Details


Kunde

Linz Netz GmbH (Linz AG)


Projektlaufzeit

Juni 2015 (Planungsphase) bis Juli 2017 (Inbetriebnahme)


Lieferumfang

37 Stahlvollwandmasten und ein Abspannportal (Stahlgitter)


Details

  • Masten: Donausystem mit klassischen Kastentraversen und Steckung
  • Höhe Masten über Gelände: 22,5 bis 43,7 Meter
  • Traversenausladung: in der Regel 5,50 Meter einseitig (11 Meter Trassenbreite)
  • Durchmesser Fuß: 800 bis 2500 Millimeter; Zopf: 340 bis 690 Millimeter
  • Höhe Abspannportal: 19 Meter
  • Breite Abspannportal: 20,6 Meter
Freileitungsmasten