Eine Erfolgsgeschichte aus Schleuderbeton

Die Elektrifizierung von Ölfeldern im Oman

2006 im Sultanat Oman: Die staatliche Ölfördergesellschaft PDO (Petroleum Development Oman) muss Schäden in Millionenhöhe verzeichnen. Der Grund dafür ist relativ banal: Die Freileitungsmasten aus Holz, die den Strom zur Ölförderung in die Ölfelder bringen sollen, halten den extremen Umwelteinflüssen nicht stand. Die Masten knicken bei starkem Wind wie Streichhölzer, in den Wadis – den Tälern und Flussläufen, die nach starken Regenfällen vorübergehend Wasser führen – werden sie einfach weggeschwemmt und die große Hitze verursacht Kurzschlüsse (sogenannte „Mast-Feuer“), die ganze Leitungen in kurzer Zeit abbrennen lassen. Das Ergebnis ist immer das gleiche. Die Ölförderung wird lahmgelegt.

Schleuderbeton statt Holz

Den Verantwortlichen von PDO ist schnell klar: eine Alternative zu den Holzmasten muss her. PDO untersucht verschiedene Werkstoffe, ehe der lokale Partner RAY International LLC die Verwendung von Masten aus Beton empfiehlt und den Kontakt zur deutschen Firma Europoles herstellt. Mit Erfolg, denn die Schleuderbetonmasten überzeugen auf Anhieb. Die Ölfördergesellschaft entscheidet, nur noch Betonmasten einzusetzen. So sollen neue Leitungen direkt in Beton gebaut und die Holzmasten in bestehenden Leitungen nach und nach durch die Betonvariante ersetzt werden. Dazu braucht es eine Europoles-Vertretung vor Ort: Die Europoles Middle East (EME) ist geboren.

Besonderer Kunde – besondere Spezifikationen

Zusammen mit dem neuen Joint Venture Partner RAY, der beste Beziehungen zu PDO unterhält, werden die Geschäftskontakte zur Ölfördergesellschaft intensiviert. „Zu Beginn haben wir erst einmal Spezifikationen für PDO entwickelt, die genau auf deren Anforderungen zugeschnitten waren“, blickt der Geschäftsführer der Europoles Middle East, Hendrik Schulz, zurück. „Diese Spezifikationen sind heute noch gültig.“ PDO möchte schnellstmöglich auf Betonmasten umstellen und bestellt mehrere tausend Masten bei Europoles in Neumarkt.

Erhöhung der Produktionskapazitäten

Um dauerhaft den Markt bedienen zu können, ist es aber unerlässlich, eine lokale Fertigung im Oman zu haben. Zwei Jahre später eröffnet Europoles ein hochmodernes Schleuderbetonwerk in Nizwa. Die größte Herausforderung in den Anfangsjahren ist die Logistik. „In den ersten fünf bis sechs Jahren landeten alle Aufträge für Schleuderbetonmasten bei uns, oftmals auch viele Bestellungen gleichzeitig. Deswegen mussten wir unsere Produktionskapazitäten bald erhöhen“, erinnert sich EME-CEO Schulz. „Dennoch hat sich der Markt natürlich über die Jahre verändert. Seit 2016 gibt es zum Beispiel einen Wettbewerber, der nach gleichen Spezifikationen wie wir produzieren kann. Außerdem beobachten wir den Trend, dass die Verkabelung als Alternative zum Mast eine weitere Option im Markt geworden ist.“

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Wir liefern jetzt seit mehr als zehn Jahren zuverlässig Masten an PDO und können mit gutem Gefühl sagen, dass unser größter Kunde von Beginn unserer Geschäftsbeziehungen an sehr zufrieden mit uns war – und es auch heute noch ist.


Hendrik Schulz

Geschäftsführer

Europoles Middle East LLC

Zuverlässiger Partner seit mehr als einem Jahrzehnt

„Durch die Veränderung des Marktes eröffnen sich für uns neue Potenziale“ erklärt Hendrik Schulz. Genau wie die regionale Ausweitung des Geschäfts birgt auch die Hochspannungsebene gute Zukunftsaussichten. „Unser Fokus liegt aber ganz klar auf unserem Kerngeschäft – und das ist die Mittelspannung bzw. das Liefergeschäft zur Elektrifizierung der Ölfelder. Wir liefern jetzt seit mehr als zehn Jahren zuverlässig Masten an PDO und können mit gutem Gefühl sagen, dass unser größter Kunde von Beginn unserer Geschäftsbeziehungen an sehr zufrieden mit uns war – und es auch heute noch ist.

Höchste Sicherheitsanforderungen

Damit das so bleibt, muss die EME den im Ölgeschäft üblichen extrem hohen Sicherheitsanforderungen von PDO Rechnung tragen. Das bedeutet für die Europoles Middle East zum Beispiel regelmäßige Audits, bei denen der Kunde prüft, ob Prozesse, Anforderungen und Richtlinien die geforderten Standards erfüllen. Außerdem darf der Mastenhersteller für die Lieferung der Masten nur bestimmte Speditionen beauftragen, die speziell für das Fahren in den Ölfeldern ausgebildet sind. Diese Speditionen holen die fertigen Masten im Werk in Nizwa ab und machen sich dann mit ihrer Fracht auf den Weg Richtung Norden zu den großen Ölfeldern.

Wie Bäume pflanzen…

Dort angekommen werden die Schleuderbetonmasten in der Regel aber nicht sofort aufgestellt, sondern in Zwischenlagern auf den Ölfeldern geparkt. Bei Bedarf werden die Masten aus den Lagern geholt und in kürzester Zeit gestellt. „Die Installation der Masten geht durch den festen Untergrund der Ölfelder wahnsinnig schnell, das ist wie Bäume pflanzen“ beschreibt Hendrik Schulz das Prozedere. „Dazu rücken Baufirmen mit speziellen Autos an. Auf deren Ladeflächen sind sogenannten ‚Drilling rigs‘ installiert. Mit diesen großen Bohrern können die Fundamente zügig und kostengünstig gebohrt werden.“

EME als Vorreiter – damals und heute

Und während in den Ölfeldern Fundamente gebohrt und Masten gestellt werden, sorgen die Arbeiter im Schleuderbetonmastenwerk in Nizwa bereits für Nachschub. Über 40 Prozent von ihnen stammen übrigens aus dem Oman selbst – durchaus eine Besonderheit für ein Industrieunternehmen in einem Land, in dem fast die Hälfte der Bevölkerung aus Ausländern besteht und in dem sowohl die Regierung, als auch die Kunden zunehmend Wert auf eine steigende „Omanisierungsrate“ legen. Lokale Arbeitskräfte sollen auf diese Weise gefördert und das Problem der Arbeitslosigkeit junger Omanis vermieden werden. „Für uns ist das nichts Neues“, sagt EME-Chef Hendrik Schulz. „Wir haben von Anfang an darauf geachtet, dass in unserem Werk viele Omanis arbeiten und ausgebildet werden.“

Die Europoles Middle East hat also auch hier eine Vorreiterrolle inne – wie damals im Jahr 2006, als das Unternehmen die Schleuderbetonmasten ins Land brachte.

Technische Details


Kunde

Petroleum Development Oman (PDO)


Liefermenge

Mehr als 60.000 Masten bis 2018 / 2019


Lieferumfang

  • Masten für Mittelspannung (33 kV) und Hochspannung (132kV)
  • Unterschiedliche Masttypen, um komplette Linie ausstatten zu können
  • Höhen: 11 bis 24 Meter
Europoles Middle East - Head office Muscat