Ein Baum als Windrad

Der WindBaum im französischen Park von Radôme

Der WindBaum ist eine außergewöhnliche Konstruktion: ein Windrad in Form eines Baumes, dessen Blattmodule sich im Wind drehen und Energie liefern. Das Konzept dazu stammt von einer französischen Firma, der Mast wird von Europoles gefertigt. Im Frühjahr 2014 wird der energieliefernde WindBaum in der Bretagne aufgebaut.

Eine Idee nimmt Gestalt an

Im Jahr 2013 hat Jérôme Michaud-Larivière eine Idee. Der Gründer des französischen Energie-Startups NewWind will nicht nur auf erneuerbare Energien setzen, sondern sie in optisch ansprechender Form verpacken und für alle zugänglich auch in kleinem Maßstab anbieten. Er entwickelt den WindBaum: eine Konstruktion in Form eines Baumes, mit Mikroturbinen ausgestattet, die sich im Wind drehen und Strom produzieren. Das nötige Knowhow im Energiesektor hat er; aber er braucht eine Firma, die das Gerüst dazu liefert. Er reist zur französischen Niederlassung von Europoles in Lille, im Gepäck ein kleines Handmuster des Windbaumes. „Könnt ihr sowas auch in groß?“, lautet seine Frage.

Dynamische Herausforderung

Trotz knapp 40.000 Sonderkonstruktionen im Jahr ist das für Europoles doch eine außergewöhnliche Anfrage. Die Herausforderung ist nicht das Material, die Form des Baum-Gerüsts oder die Produktion der Einzelteile, sondern das Thema Dynamik: Masten sind in aller Regel statische Elemente; beim WindBaum hingegen handelt es sich hier um eine Konstruktion, die sich ständig bewegen soll und muss. Dabei herrschen ganz andere Bedingungen und es treten Fragen auf wie: Lässt sich das Modell in der geforderten Größe darstellen? Ist der WindBaum statisch umsetzbar? Und vor allem: Kann unsere Konstruktion dauerhaft dem bretonischen Wind trotzen?

Eine stabile Trägerkonstruktion entwickeln

Ein Team aus jungen, innovativen Frischgraduierten zusammen mit erfahrenen Technikern konstruiert und rechnet – und beschließt dann, es zu versuchen. „Das hat einiges an Kapazitäten gebunden“, erinnert sich Stephanie Eberhardt vom Vertrieb Ausland des Geschäftsbereichs Beleuchtung. Der Auftrag lautet: Schafft eine Trägerkonstruktion, die bei einem Durchmesser von fünf Metern etwa acht Meter hoch ist, wie ein Baum aussieht und rund 70 energieliefernde Turbinen tragen kann.

Präzision ist gefragt

Im September 2013 startet die Konzeptplanung für das Projekt. Bevor der Mast produziert werden kann, muss ein aufwändiges 3D-Muster realisiert werden. Das wird vom Auftraggeber mit dem Lasermessgerät getestet. Denn bei der Vorrichtung müssen alle Rotoren präzise senkrecht stehen, um den Wind optimal einzufangen.

„Das punktgenaue Schweißen erforderte viel Fingerspitzengefühl.“, sagt Stefan Gönczi, der verantwortliche Techniker bei Europoles. Außerdem handelte es sich beim WindBaum nicht um einen Mast aus einem Stück. Rund 60 Einzelteile, vom Baumstamm über drei Hauptäste und insgesamt sieben Ebenen verzweigter Kleinteile, mussten präzise angepasst und aufeinander abgestimmt werden. „Es war wie ein überdimensionales Puzzle aus Stahl“, erinnert sich Gönczi. Jedes einzelne Rohr wurde, bevor es weiß beschichtet wurde, auf beiden Seiten von innen mit einem Schweißbuchstaben beschriftet. „Nach der Beschichtung bei über 450 °C wäre von jeder anderen Beschriftung nichts mehr zu sehen gewesen“, erklärt der Leiter des Technikteams.

Ein Baum wächst in zwei Tagen

Eine weitere Herausforderung ist der Transport der großen Menge an speziell gebogenen Einzelteilen nach Frankreich. Im März 2014 begleiten Stefan Gönczi und ein weiterer Techniker von Europoles die Fracht in die französische Gemeinde Pleumeur Bodou. Im Erlebnispark „Parc du Radôme“ wird der Baum zusammen mit den französischen Kollegen aufgestellt.

Dabei wird zunächst der Baumstamm-Mast verkabelt und die Äste und Zweige aus Stahl noch am Boden mit den „Blättern“ bestückt – den grünen stromproduzierenden Mikroturbinen. Die Einzelteile werden im Anschluss mit Hilfe einer Hebebühne an der passenden Verzweigung mit Flanschverbindungen montiert. Nach zwei Tagen kann der Baum mit der Energieproduktion beginnen.

Technische Details


Projektlaufzeit

Herbst 2013 bis Frühjahr 2014


Lieferumfang

Ein Mast in Form eines Baumes


Details

  • Höhe: 8 Meter
  • Durchmesser: 5,5 Meter
  • Gewicht: 1300 Kilogramm
  • Gerüst Baumstamm: 3 Stämme, 120° angeordnet, konisch; Äste und Zweige: zylindrisch;
  • weiß beschichtet
  • Durchmesser Stamm: Fuß 200 / Zopf 100 Millimeter
  • Wanddicke: 6 Millimeter
  • Ausstattung: 72 Windstrom-Generatoren
  • Gewicht einer Mikroturbine: 15 Kilogram
  • Stromleistung bei Wind: 3 Kilowatt

Weitere Informationen

Lichtmasten - Vertrieb